Die Fußball EM der Frauen 2017

Vom 16. Juli bis 6. August 2017 (zum Spielplan) findet in den Niederlanden die 12. Fußball-Europameisterschaft der Frauen statt. Erstmals kämpfen 16 Mannschaften um den Pokal. Deutschland tritt wiederum als Titelverteidiger an. Schon achtmal konnten die deutschen Damen den Pokal holen. Klar, dass sie auch 2017 als großer Favorit ins Rennen gehen.

Kurzer Ausflug in die Geschichte des Frauenfußballs

Als 1984 die erste UEFA-Fußballeuropameisterschaft der Frauen ausgetragen wurde, hat man Damen auf dem Fußballplatz noch belächelt und ihren Sport als unästhetisch abgelehnt. Aber immerhin wurde Frauenfußball endlich als Leistungssport anerkannt. Das war nicht immer so: 1955 wurde er, entgegen vieler Widerstände, sogar vom DFB verboten. Die Begründung des Sportverbandes können wir heute freilich nicht mehr nachvollziehen. Die alten Herren machten sich angeblich Sorgen um die Moral und das weibliche Wohlergehen. Lange ließen sich die Frauen diese Schikane nicht gefallen. Bereits im März 1957 trat eine bundesdeutsche Mannschaft im Münchner Dante Stadion gegen eine Auswahl aus den Niederlanden an. Machosprüche mussten sich die Fußball spielenden Frauen noch jahrelang gefallen lassen. So äußerste sich zum Beispiel Wim Thoelke 1970 im Aktuellen Sportstudio: „Decken! Nicht Tisch, sondern Mann decken! So ist es recht!“ Erst als die Damen in Erwägung zogen, einen eigenen Fußballverband zu gründen, hob der DFB im Oktober 1970 sein Frauenfußballverbot auf.

Von 1982 bis 1984 wurde die erste offizielle Frauen-Fußball-Europameisterschaft ausgetragen. Einen Gastgeber gab es damals noch nicht. In 6 Spielen machten 4 Teilnehmer (England, Italien, Dänemark und Schweden) den Titelgewinn unter sich aus. Es gewann Schweden. Waren anfangs nur vier Länder am Start, so nahmen 1997 an der EM schon acht Mannschaften und an der 10. Europameisterschaft 2009 in Finnland bereits 12 teil. Das Teilnehmerfeld wird zur EM 2017 erneut vergrößert. Wenn das kein Beweis dafür ist, welchen Stellenwert der Frauenfußball inzwischen erlangt hat!

Die Niederlande wird die 12. Frauen-EM austragen

Für die Ausrichtung der 12. Europameisterschaft hatten sich sieben Länder beworben, in denen vorher nie eine Frauen-EM ausgetragen wurde: Frankreich, Österreich, Polen, Israel, Schottland, die Schweiz und die Niederlande. Die Niederlande, die sich schon für die Turniere von 2009 und 2013 erfolglos beworben hatte, bekamen dieses Mal endlich den Zuschlag.

Die Spielorte der Frauen EM 2017 kurz vorgestellt

In sieben Stadien wird das Turnier ausgetragen:

  • Doetinchem

    Die Heimspielstätte des VBC De Graafschap Doetinchem liegt in der Provinz Gelderland. Im September 1954 fertiggestellt und 1998/99 renoviert, hat das Stadion De Vijverberg Platz für 12.600 Fans. Aus finanziellen Gründen musste das Stadion, das vorher Vereinseigentum war, im Frühjahr 2007 an die Gemeinde Doetinchem verkauft werden.

  • Breda

    Das Rat Verlegh Stadion wurde im Sommer 1996 eingeweiht und von 2008 bis 2010 renoviert. Das Heimstadion des NAC Breda bietet 19.000 Zuschauern Platz. Im Stadion befindet sich unterhalb von Block G das NAC- Museum, welches die Geschichte des Vereins dokumentiert. Es ist geplant, das Stadion zu vergrößern und in unmittelbarer Nähe Bürogebäude, ein Hotel sowie einen Supermarkt zu erbauen.

  • Deventer

    Das Stadion De Adelaarshorst in der ostniederländischen Stadt Deventer ist bereits seit 1920 in Betrieb und wurde 2006 renoviert. Mit einer Kapazität von 8.011 Plätzen ist es das kleinste der EM Stadien. Hier tragen die Go Ahead Eagles Deventer ihre Heimspiele aus. Die überdachten Sitzplatztribünen liegen dicht am Spielfeldrand.

  • Enschede

    Eigentümer des Stadions De Grolsch Veste, in der Provinz Overijssel, ist der FC Twente Entschede. Die Einweihung des größten niederländischen Stadions fand am 10. Mai 1998 statt. Für insgesamt 65 Millionen Euro wurde es 1997/98 sowie 2011/12 erweitert. Das größte und modernste Stadion der Niederlande bietet 30.205 Fans einen Platz. Am 6. August 2017 wird hier das Finale der Frauen EM 2017 ausgetragen.

  • Rotterdam

    Im Sparta-Stadion Het Kasteel trägt der niederländische Erstligist Sparta Rotterdam seine Heimspiele aus. Der Fußball rollt im ältesten Fußballstadion der Niederlande bereits seit 1916. Eine umfassende Renovierung wurde in den Jahren 1998/99 durchgeführt, nachdem es ein Orkan weitestgehend zerstört hatte. Im Stadion Het Kasteel stehen 11.026 Plätze stehen zur Verfügung.

  • Tilburg

    In der Provinz Nordbrabant wurde 1992 das alte Tilburger Stadion abgerissen und ein neues Stadion mit einer Kapazität von 14.750 Plätzen neu erbaut: das König-Wilhelm-II.-Stadion. Die Eröffnung fand im Mai 1995 statt, 2000 wurde das Stadion unter anderem um Business-Logen, Fan-Shop, Konferenzraum und Café erweitert.

  • Utrecht

    Zwar spielte man in Utrecht bereits seit den 1930er Jahren Fußball, das Stadion Galgenwaard wurde jedoch erst im August 2004 eingeweiht. Renovierungen fanden 1981 und 2001 statt. Das Heimstadion des FC Utrecht bietet rund 24.500 Zuschauern Platz. Gleich hinter dem Stadion befindet sich eine große Sporthalle, die für Volleyball, Turnen und Basketball genutzt wird. Im Stadion Galgenwaard wurde 2005 das Endspiel der Junioren-Weltmeisterschaft zwischen Argentinien und Nigeria ausgetragen.

Die Qualifikation für die Endrunde der Frauen EM 2017

Von den 54 UEFA-Mitgliedern meldeten 47 ihre Teilnahme am Spiel um die 15 Plätze der Endrunde an. Albanien, Moldawien, Andorra und Montenegro sind das erste Mal dabei. Die Verbände von Zypern, Gibraltar, Armenien, Bulgarien, Aserbaidschan, Liechtenstein und San Marino meldeten ihre Frauen-Nationalmannschaft nicht.

Vom 4. bis 9. April 2015 fand die Vorrunde statt. Dabei spielten die acht schwächsten Mannschaften in zwei Gruppen gegeneinander. Die Gruppensieger, Georgien und Moldawien konnten sich den Einzug in die Gruppenphase der Qualifikation sichern. Für Andorra, die Färöer Inseln, Lettland, Litauen, Luxemburg und Malta war hier der Traum von der EM bereits zu Ende.

40 Mannschaften, aufgeteilt in acht Fünfergruppen, kämpften anschließend in der Qualifikation um einen Platz in der Endrunde. Neben den acht Gruppensiegern qualifizierten sich die sechs besten Zweitplatzierten. Die anderen beiden Gruppenzweiten, Rumänien und Portugal, traten zwischen dem 21. und 25. Oktober 2016 zu den Play-offs an. Die 15 qualifizierten Teams werden im Juli und August 2017 zusammen mit Gastgeber Niederlande um den Titel kämpfen.

Die Gruppen 1 bis 8 – Qualifikation der Frauen Europameisterschaft 2017

Die Gruppenzuteilung erfolgte durch Auslosung am 20. April 2015 in Nyon in der Schweiz.

  • Gruppe 1
    Island, Weißrussland, Schottland, Mazedonien und Slowenien
  • Gruppe 2
    Montenegro, Spanien, Finnland, Portugal und Irland
  • Gruppe 3
    Frankreich, Ukraine, Griechenland, Rumänien und Albanien
  • Gruppe 4
    Schweden, Dänemark, Moldawien, Polen und Slowakei
  • Gruppe 5
    Deutschland, Russland, Türkei, Ungarn und Kroatien
  • Gruppe 6
    Schweiz, Italien, Tschechien, Georgien und Nordirland
  • Gruppe 7
    England, Serbien, Belgien, Bosnien-Herzegowina und Estland
  • Gruppe 8
    Österreich, Norwegen, Wales, Israel und Kasachstan

Qualifizierte Mannschaften für die Fußball Frauen EM 2017

Neben der als Gastgeber automatisch qualifizierten Niederlande, konnten sich als Gruppensieger Island, Spanien, Frankreich, Schweden, Deutschland, die Schweiz, England und Norwegen ihren Platz für die Gruppenphase der Frauen EM 2017 sichern. Die sechs besten Zweitplatzierten heißen Schottland, Dänemark, Russland, Italien, Belgien und Österreich. Portugal setzte sich in den Play-offs gegen Rumänien durch.

Frauenfußball-Expertin verlängert Vertrag mit der ARD bis 2017

Nia Künzer
ARD Frauenfußball-Expertin Nia Künzer (Foto: © Thomas Rodenbücher / CC BY 2.0 / via Wikimedia Commons)

Für die Fans, die 2017 nicht vor Ort die Spiele der EM mitverfolgen können, überträgt die ARD alle Endrundenspiele live. Die beliebte Frauenfußball-Expertin Nia Künzler hat ihren Vertrag mit der ARD bis 2017 verlängert. Das bedeutet, dass sie zusammen mit Moderator Claus Lufen die EM in den Niederlanden für uns kommentieren und analysieren wird. Nia Künzle ist ehemalige Fußball Nationalspielerin. Ihr Golden Goal im Finale der WM 2003 brachte Deutschland den Weltmeistertitel. Der Treffer wurde außerdem zum Tor des Jahres gewählt.